Interview mit Selina Döringer, Geschäftsführerin Moosalp Bergbahnen AG

Das Wetter kündigt ihn dieser Tage schon ein erstes Mal an: den Winter 2020/21. Zusammen mit Selina Döringer, Geschäftsführerin der Moosalp Bergbahnen, schauen wir deshalb zusammen auf die bevorstehende Saison und fragen sie, nach ihren Einschätzungen zum Coronavirus.

Bevor wir über die bevorstehende Saison sprechen, lass uns kurz zurückblicken. Am 13. März 2020 mussten alle Skigebiete in der Schweiz auf Anordnung des Bundesrats schliessen. Welche Auswirkungen hatte diese Zwangsschliessung für die Moosalp Bergbahnen?

Wir mussten im letzten März neun Tage vor unserem geplanten Saisonschluss am 22. März schliessen. Die Anordnung des Bundesrats kam für uns sehr unerwartet. Wir dachten bis zuletzt, dass wir die Saison wie geplant beenden können. Für uns war es natürlich sehr schade, dass wir diese erfolgreiche Saison nicht mit unseren Gästen zusammen abschliessen konnten. Vergleicht man unsere Situation aber mit anderen Skigebieten, sind wir aufgrund der wenigen verbleibenden Betriebstage noch relativ glimpflich davongekommen. Andere Destinationen hat der Entscheid wesentlich härter getroffen.

 

Nach den Erfahrungen der letzten Saison sind viele Gäste verunsichert und schauen eher skeptisch in die Zukunft. Wie blickst du als Geschäftsführerin in die Wintersaison 2020/21?

Wir können diese Verunsicherung bei unseren Gästen natürlich nachvollziehen und auch wir müssen mit Unsicherheiten leben. Das gehört aktuell wohl bei uns allen zum Alltag. Nichtsdestotrotz schauen wir als Bergbahnen sehr zuversichtlich in die neue Saison. Viele Gebiete betreiben zurzeit einen sehr gut funktionierenden Sommerbetrieb. In vielen Stationen hat es sogar mehr Gäste gehabt als in einer normalen Sommersaison. Die Schutzkonzepte für Bergbahnen scheinen zu funktionieren und einen guten Betrieb zu ermöglichen. Das stimmt uns sehr zuversichtlich. Wir rechnen ganz klar nicht mit einem erneuten Lockdown. Dies wäre für die Branche schweizweit schlichtweg nicht verkraftbar und wir sind überzeugt, dass der Bundesrat alles tun wird, um eine neuerliche Schliessung zu verhindern. Von einer Schliessung der Bergbahnen sind schliesslich nicht nur diese selbst betroffen, sondern auch die ganze Dienstleistungskette dahinter wie zum Beispiel Hotels, Zulieferer usw. Vergangene Woche hatte Staatsrat Christophe Darbellay in einem Interview mit dem Walliser Boten zugesichert, dass es «…eine Wintersaison mit mindestens essen, schlafen und Ski fahren…» geben wird. Dies stimmt einen natürlich sehr positiv, wenn auch die Politik Signale in diese Richtung gibt.

Dennoch sind gewisse Einschränkungen möglich und es werden bestimmt Schutzkonzepte umgesetzt werden müssen. Nach wie vor sind wir aber der festen Überzeugung, dass wir auch dieses Jahr eine großartige Wintersaison haben werden. Erste Skigebiete wie Saas Fee oder Zermatt sind ja bereits mit einem gut funktionierenden Gletscherbetrieb in die neue Saison gestartet.

 

Wie man in den Medien lesen konnte, haben sich andere Skigebiete bereits dazu entschlossen, in der bevorstehenden Saison nicht zu öffnen. Gibt oder gab es solche Überlegungen auch bei den Moosalp Bergbahnen?

Nein, solche Überlegungen gab es bei uns nie und wird es in naher Zukunft auch nicht geben. Ich kann die Entscheidung dieser Skigebiete persönlich auch nicht nachvollziehen, kenne aber die Gegebenheiten dort auch nicht im Detail. Nicht zu öffnen, kommt für uns absolut nicht in Frage, rein schon aus finanziellen Gründen. Wir fühlen uns ausserdem unseren Gästen gegenüber verpflichtet, ihnen das Skifahren in der Moosalpregion auch diesen Winter zu ermöglichen.

 

Wo siehst du die grösste Problematik im alltäglichen Betrieb?

Eine Problematik wird sicher sein, den Betrieb sicherstellen zu können, falls wir intern Quarantäne-Fälle haben werden. Wir sind aber daran, entsprechende Notfallkonzepte auszuarbeiten, um den Betrieb auch in einem solchen Fall 100% aufrecht erhalten zu können. Ansonsten sehen wir vor allem die vielen Vorteile unseres Skigebiets. Ein grosses Plus ist sicher, dass wir keine geschlossenen Gondeln haben. Wir haben keine langen Warteschlangen an unseren Anlagen und somit wenig Berührungspunkte zwischen den Gästen. An den Skiliften kommen maximal zwei bzw. drei Personen beim Sessellift in Kontakt miteinander. Auf Wunsch eines Gastes kann der Lift zudem auch einzeln befahren werden. Ausserdem haben wir im Vergleich zu vielen grossen Destinationen nur einen geringen Anteil an internationalen Gästen. Aus all diesen Gründen sind wir überzeugt, unseren Gästen eine grosse Sicherheit bieten zu können.

 

Was unternimmt die Moosalp Bergbahnen AG, um ihre Gäste vor dem Coronavirus zu schützen?

Wir sind an der Ausarbeitung eines Schutzkonzeptes für unsere Gäste. Dazu stehen wir in engem Austausch mit unserem Branchenverband und anderen Bergbahnen, welche entsprechende Konzepte bereits im Einsatz haben. Ein grosses Anliegen für uns wird sicher sein, Menschenansammlungen verhindern zu können und unsere Mitarbeiter bestmöglich bei der Umsetzung des Schutzkonzeptes zu unterstützen.

 

In den Restaurants wird wohl der Kontakt zwischen den Gästen am grössten sein. Arbeitet ihr mit den Restaurants im Bereich der Schutzkonzepte zusammen?

Wir stehen in regelmässigem Kontakt mit den Restaurantbetreibern. Für uns ist es wichtig, in einer solchen Situation eng zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. Einige Restaurants planen zum Beispiel, neu Take-Away-Alternativen für ihre Gäste anzubieten. Allgemein kann man aber sagen, dass sämtliche Restaurants nun bereits seit 4 Monaten mit den entsprechenden Schutzkonzepten unterwegs sind. Diese erweisen sich als sehr gut umsetzbar. Die Restaurants sowie die Gäste haben sich dadurch mittlerweile auch ein wenig an die neuen Gegebenheiten angepasst. Daher sehe ich da aus der heutigen Sichtweise kein Problem.

 

Was wünscht ihr euch von euren Gästen für die kommende Saison?

Wir sind dieses Jahr mehr denn je auf die Unterstützung unserer Gäste angewiesen. Wir hoffen, vor allem auch im Vorverkauf auf unsere vielen Stammgäste zählen zu können. Wir von unserer Seite werden alles Mögliche unternehmen, um ihnen im Gegenzug ein hervorragendes Skierlebnis bieten zu können. Weiter wünschen wir uns natürlich Verständnis für allfällige Einschränkungen, die sich aus den Schutzkonzepten ergeben.

 

Was unternimmt die Moosalp Bergbahnen AG, um ihre Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen?

Wir werden unsere Mitarbeiter gezielt auf die neue Situation sensibilisieren, schulen und sie mit dem nötigen Schutzmaterial ausrüsten. Zudem sind wir an der Überarbeitung der Arbeitsprozesse, um den Kontakt zwischen den Mitarbeitern auf ein Minimum zu reduzieren. Wir werden deshalb zum Beispiel auch auf Mitarbeiterveranstaltungen verzichten. Dies ist natürlich für den Teamsprit sehr schade, solche Opfer müssen wir in der heutigen Situation aber ganz klar zum Schutz des Unternehmens bringen.

 

Viele Gäste werden sich im Moment zweimal überlegen, ob sie die Investition in ein Saisonabonnement wagen wollen. Würden Gäste das Geld für ihr Saisonabonnement bei einer frühzeitigen Schliessung des Skigebiets zurückerhalten?

Falls es entgegen all unserer Erwartungen erneut zu einem Lockdown kommen würde, werden wir sehr bemüht sein, eine Lösung zu finden, die sowohl für unsere Gäste als auch für die Moosalp Bergbahnen tragbar ist.

 

Ihr führt auf diese Wintersaison eine Versicherung für Skipässe ein. Hat das etwas mit dem Coronavirus zu tun?

Nein, der Entscheid für die Einführung der Versicherung ist unabhängig von Corona gefällt worden. Mit der Versicherung wollen wir unseren Gästen die Möglichkeit bieten, ihre Kosten für den Skipass, die Skischule und die Miete von Ausrüstung in Sportgeschäften abzusichern. Die Versicherung greift bei Krankheit, Unfall und bei der Schliessung der Anlagen infolge Naturkatastrophen. Wir möchten an dieser Stelle auch klar kommunizieren, dass diese Versicherung nicht bei einer erneuten Zwangsschliessung greifen würde. Im Moment existiert keine Möglichkeit, ein solches Szenario aufgrund einer Pandemie versichern zu lassen. Es gibt schlicht und einfach keinen Anbieter, der ein solches Risiko versichert.

Die Versicherung hilft unseren Gästen bei Corona jedoch insofern, als dass Tagesskipässe bei einer Erkrankung zurückerstattet werden. Falls Gästen aufgrund eines Kontaktes mit einer infizierten Person oder Verdacht darauf eine Quarantäne angeordnet wird, erhalten sie ihr Geld zurück.

 

Was möchtest du zum Abschluss euren Gästen noch mitteilen?

Wir werden alles geben, um unseren Gästen das Skifahren in der Moosalpregion auch diesen Winter zu ermöglichen und ihnen dabei grösstmögliche Sicherheit zu bieten. Es wird voraussichtlich neue Angebote geben, welche die Attraktivität des Skigebietes zusätzlich erhöhen. Da wir an einen tollen Winter glauben, haben wir auch entsprechende Investitionen getätigt und freuen uns, diese auf die kommende Saison umzusetzen. Die Moosalpregion bietet aber nebst dem Skifahren noch zahlreiche weitere Winteraktivitäten wie Schneeschuhlaufen, Winterwandern usw., bei denen die Moosalpregion mit viel Freiraum erlebt werden kann.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und viele der geplanten Revisionsarbeiten konnten bereits erfolgreich über die Bühne gebracht werden. Wir sind motiviert und voller Vorfreude auf die nächste Saison und möchten jetzt schon allen danken, die uns auch in diesem Winter wieder unterstützen.

 

Selina Döringer, CEO Moosalp Bergbahnen AG

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