Unter dem Sternenhimmel der Moosalp

Wer nachts auf der Moosalp steht, spürt schnell, wie klein die Erde plötzlich wirkt. Über einem breitet sich ein unendliches Meer aus funkelnden Lichtern aus, so klar und nah, dass man meint, sie berühren zu können. Einer, der diesen Himmel besonders gut kennt, ist Martin Henzen, Präsident der Astronomischen Gesellschaft Oberwallis. Er hat Physik mit dem Schwerpunkt Astronomie studiert und blickt seit vielen Jahren fasziniert in die Weite des Alls.

Schon als Kind interessierte er sich für Sterne, Planeten und alles, was darüber hinaus liegt. Besonders die Mondlandung habe seine Begeisterung geweckt, erzählt er. Seither begleitet ihn die Faszination für das Universum durch sein Leben. «Das Gefühl, in den Himmel zu schauen und zu wissen, dass dort oben Welten existieren, die wir kaum verstehen, ist einfach überwältigend», sagt Henzen mit einem Lächeln.

«Ein Himmel ohne Grenzen»

Der Blick in den Nachthimmel über der Moosalp ist etwas Besonderes. «Vor allem der Blick nach Norden ist hier sehr frei und weit», erklärt Henzen. Das ermöglicht eine ungestörte Sicht auf unzählige Sterne. Die geringe Lichtverschmutzung in der Region trägt dazu bei, dass man deutlich mehr Sterne erkennen kann als in der Stadt.

Auf die Frage, wann der Sternenhimmel am schönsten ist, antwortet er: «Das kann man so gar nicht sagen. Die Sternbilder verändern sich mit den Jahreszeiten. Im Sommer sieht man andere Sterne als im Winter, aber jede klare Nacht hat ihren Zauber.» Im Frühling leuchten Löwe, Jungfrau und der Grosse Bär. Im Sommer funkeln Schwan, Leier und Adler. Im Herbst zeigen sich Kassiopeia, Pegasus und Andromeda, und im Winter strahlen Orion, der Grosse Hund und der Stier. «Man kann hier eigentlich den gesamten Katalog der nördlichen Sternbilder sehen», sagt Henzen.

Ein Teleskop ist für den Blick auf die Sternbilder nicht unbedingt nötig. «Mit dem blossen Auge sieht man sie sogar besser, weil man den ganzen Himmel überblickt. Ein Teleskop zeigt nur einen kleinen Ausschnitt, dafür aber Details – etwa einzelne Sterne oder Galaxien wie die Andromeda.»

Tipps vom Experten

Wer selbst einen Blick in den Sternenhimmel wagen will, sollte laut Henzen vor allem auf das Wetter achten. «Ein klarer Himmel ist das Wichtigste. Und wer im Herbst oder Winter unterwegs ist, sollte warme Kleidung mitnehmen.» Praktisch sei auch eine App, die die Sternbilder zeigt. «So weiss man gleich, wohin man schauen muss», rät er. Und wer tiefer eintauchen möchte, könne zusätzlich ein kleines Teleskop mitbringen.

In den kommenden Jahren gibt es einige Himmelsereignisse, auf die man sich freuen darf. «Im Jahr 2026 wird es eine fast totale Sonnenfinsternis geben, ungefähr am 12. August», erzählt Henzen. «Bei uns in Europa wird man sie allerdings erst bei Sonnenuntergang sehen können.» Etwa zwei Wochen später folgt eine Mondfinsternis. Zwei beeindruckende Erlebnisse, die stark vom Wetter abhängen. «Die genauen Details werden rechtzeitig in den Medien bekannt gegeben, sodass sich Interessierte gut vorbereiten können.»

Ein Moment, der bleibt

Einen besonderen Moment unter dem Sternenzelt vergisst Martin Henzen bis heute nicht: den ersten Blick durch ein Teleskop auf eine fremde Galaxie. «Das war unglaublich. Da wurde mir bewusst, wie winzig und gleichzeitig einzigartig wir sind.» Auch die Beobachtung der Sonne mit speziellen Filtern hat ihn tief beeindruckt. «Wenn man sieht, wie Gasfontänen aus der Sonne schiessen, die zehnmal grösser sind als die Erde, bekommt man Demut vor der Natur.»

Auf die Frage, ob er beim Blick in den Himmel schon einmal eine lustige Sternenkonstellation entdeckt habe, lacht Henzen. «Leider nicht. Wenn man sich so lange mit den Sternbildern beschäftigt, sieht man nur noch die echten. Die Fantasie bleibt da manchmal auf der Strecke.»

Für ihn ist klar: Die Moosalpregion bietet einen der schönsten Plätze der Schweiz, um den Himmel zu bestaunen. Wer hier oben eine klare Nacht erlebt, sieht mehr als nur Sterne, man spürt ein Stück Ewigkeit.

 

Sela Wagenbreth zum Thema lichtverschmutzung: https://www.earth-night.info/