Hoch genug für Kühle

Ein neuer Reisetrend verändert, wohin die Menschen im Sommer fahren. Die Moosalpregion war immer schon die Antwort.

 

Es ist kurz nach neun Uhr morgens, und im Rhonetal unten kündigen die Wettermodelle bereits den nächsten heissen Tag an. Hier oben, auf dem Plateau der Moosalp, zieht ein leiser Wind über die Wiesen. Eine Wanderin bindet sich die Jacke um die Hüfte. Vielleicht braucht sie sie später. Vielleicht auch nicht.

Diese kleine Szene beschreibt etwas, das in europäischen Sommerferien seltener geworden ist: ein Morgen, an dem die Temperatur noch angenehm ist.

Der Trend, der einen Namen bekommen hat

«Coolcation» – zusammengesetzt aus «cool» und «vacation» – bezeichnet das bewusste Aufsuchen von Reisezielen mit gemässigtem Sommerklima. Das Reisemagazin Condé Nast Traveler kürte den Begriff zu einem der prägendsten Reisetrends des Jahres 2024. Booking.com verzeichnet seither, dass 42 Prozent aller Reisenden Destinationen mit kühlerem Sommer aktiv bevorzugen.

Der Hintergrund ist bekannt: Die Sommer in Südeuropa haben sich verändert. Waldbrände, Wasserknappheit, Temperaturen über 40 Grad. Klassische Ferienziele sind im August für viele keine Erholung mehr. Die Leute suchen etwas anderes – und finden es zunehmend in den Bergen.

Was die Höhe verändert

Die Physik ist nüchtern. Pro hundert Höhenmetern sinkt die Temperatur um rund 0,65 Grad. Wer von Visp in die Moosalpregion fährt – hinauf nach Bürchen auf 1’250 bis 1’600 Meter, weiter auf die Moosalp auf 2’048 Meter – wechselt die Klimazone.

Während das Tal im Juli und August regelmässig 33 bis 36 Grad erreicht, liegen die Temperaturen in Bürchen und Törbel meist bei 22 bis 26 Grad. Auf der Moosalp sind es oft 18 bis 20 Grad. Die Nächte sind kühl genug, um gut zu schlafen. Das ist kein Versprechen – das ist Geografie.

«Coolcation ist keine Reaktion auf einen Modetrend. Es ist eine Reaktion auf den Sommer, wie er geworden ist.»

Vier Gemeinden, ein zusammenhängender Naturraum

Die Moosalpregion erstreckt sich über die vier Gemeinden Bürchen, Törbel, Zeneggen und Embd – unterschiedliche Charaktere, die zusammen einen geschlossenen Lebensraum bilden. Bürchen liegt auf einem nach Westen gerichteten Plateau, eingebettet zwischen Wäldern und Hängen mit Blick auf das Bietschhorn und das Rhonetal. Törbel, auf 1’500 Metern, ist dichter gebaut, ein typisches Walliser Bergdorf mit dunklen Holzfassaden und engen Gassen. Zeneggen und Embd ergänzen das Bild: ruhig, ursprünglich, wenig besucht.

Was die vier Gemeinden verbindet, ist das Wandernetz. Über 75 Kilometer Wege durchziehen das Gebiet – von leichten Spazierwegen auf dem Plateau bis zu lohnenderen Touren mit Gipfelsicht.

Entlang der Alten Suon

Einer der eindrücklichsten Wege der Region folgt einem mittelalterlichen Wasserkanal. Die Alte Suon von Bürchen – erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt – transportiert noch heute Wasser aus dem Ginals nach Bürchen und weiter nach Zeneggen. Der Wanderweg, der ihr folgt, führt durch schattigen Wald hinauf auf die Brandalp.

Das Rauschen des Wassers begleitet den Weg. Die Temperatur im Wald liegt spürbar tiefer als auf dem offenen Plateau. Es ist eine der einfachsten Wanderungen der Region – und eine der stimmungsvollsten.

Die Moosalp als Ziel

Wer die Höhe sucht, fährt weiter. Der Passübergang auf 2’048 Metern verbindet Bürchen mit Törbel und ist mit dem Postauto erreichbar. Von hier aus öffnet sich das Panorama: Aletschgletscher, Bietschhorn, die höchsten Viertausender des Wallis – von allen Seiten.

Die Magic Moos Tour bietet einen anderen Zugang: drei Wanderrouten, die mit kulinarischen Zwischenstopps aus der Region verknüpft sind. Start wahlweise in Törbel oder Bürchen. Kein Ziel, das man abhaken muss – eher ein Tag, der sich entfaltet.

Warum das zusammenpasst

Coolcation und die Moosalpregion treffen sich nicht zufällig. Was der Trend beschreibt – überschaubare Orte, intakte Natur, kein Massentourismus, Temperaturen, bei denen man sich draussen aufhalten möchte – ist hier nicht Konzept, sondern Realität.

Die Region ist kompakt. Die Wege sind gut erreichbar. Das Postauto fährt ab Visp. Für Gäste aus Zürich, Bern oder Basel ist die Moosalpregion in zwei bis drei Stunden erreichbar – nah genug für ein verlängertes Wochenende, weit genug, um wirklich anzukommen.

Der Sommer hier beginnt Mitte Juni und hält bis in den Oktober. Lang genug, um wiederzukommen.